Wie es zu julili PHOTOGRAPHY kam

Hätte man mich vor 10 Jahren gefragt, was ich heute beruflich machen würde, dann hätte ich wohl ohne zu zögern geantwortet: “Na in der Forschung arbeiten!” Darauf hatte ich mit viel Ehrgeiz und Spaß hingearbeitet. Nach meinem Mathematikstudium in Berlin zog ich in die USA, um am MIT zu promovieren und anschließend dort noch eine Weile als Dozentin zu arbeiten. Dass ich am Ende wieder nach Europa zurückkommen würde, war mir immer klar. Dass ich es aber erst nach neun Jahren tun würde, nicht so ganz. Denn ich vermisste den europäischen Lebensstil, die gemütlichen und individuellen Cafés, in ein Restaurant gehen zu können, ohne dass der Kellner einem die Gabel aus der Hand reißt und die Rechnung bringt …

Bevor ich aber endgültig wieder in Berlin landete, mußte ich noch meinen Holländer in Zürich kennenlernen. Dort arbeite ich drei Jahre lang bei IBM in der Forschung, so wie es eigentlich sein sollte für meinen geplanten Weg.

Die Fotografie hatte schon früh eine Bedeutung in meinem Leben. Angefangen hat alles mit einer analogen Kamera zu meinem achten Geburtstag. Die belichteten Filme habe ich damals selbst in der Dunkelkammer entwickelt. Seltsamerweise fotografierte ich in den ersten Jahren keine Menschen. Auf meinen Urlaubsfotos war unsere Familie nur sehr selten zu sehen, dafür aber gefühlt unendlich viele Sonnenuntergänge, Palmen und Hauseingänge. Irgendwann fragte mich ein guter Freund, warum ich eigentlich nie Menschen fotografieren würde. Darüber hatte ich bis dahin gar nicht nachgedacht. Aber diese Frage ließ mich nicht mehr los und legte einen Schalter in mir um.

Erst kam die Street Photography. Während meiner Jahre in Boston bin ich fast jedes Wochenende mit meiner Kamera losgezogen, um Leute auf der Straße zu fotografieren. Am liebsten alte Menschen und Kinder, unbeobachtet, im Alltag. Ebenso auf Reisen. Es kam nicht selten vor, dass ich nach einem 10-tägigen Trip mit mehr als zehntausend Fotos wieder nach Hause kam, gefüllt mit fremden Menschen, arbeitend, faulenzend, traurig und abwesend, oder mittendrin und fröhlich. Und mit ganz vielen Fotos, auf denen leuchtende, neugierige Kinderaugen zu sehen sind. Kinderaugen, die teilweise noch nie im Leben eine Kamera gesehen hatten und jubelten, als ich ihnen Fotos von sich selbst auf meinem kleinen Display zeigte.

Neugierige Kinderaugen darf ich seit nun ein bisschen mehr als vier Jahren jeden Tag zu Hause erleben. Und diese Augen verändern das Leben mehr als alles andere. Plötzlich hat alles einen Sinn. Und es verändert einen selbst. Und auch bei mir hat es eine Kreativität geweckt, die so viele junge Mamas erfasst. Ich fing an zu nähen (erst Krabbeldecken, inzwischen Kleidchen, Latzhosen und Wintermäntel; übrigens mit dem Label julili 🙂), baue Betten, Bücherregale und ein Puppenhaus mit unseren Möbeln in Miniaturgröße. Und ich fotografiere Kinder, mehr denn je.

Als unser großes Mädchen knapp zwei Jahre alt war und die Kleine gerade ein halbes, wurde mir bewusst, wie schnell die Zeit nach der Geburt vergangen war. Ich schaute mir Fotos an, die ich in den Monaten zuvor gemacht hatte, und war doch traurig, dass es keine von Mama und den Kindern gab. Denn der eigentlich beste Papa nimmt weder eine richtige Kamera in die Hand, noch macht er Fotos mit seinem Smartphone. Also begab ich mich im Internet auf die Suche mit dem Stichwort Natürliche Familienfotos Berlin. Ich ließ mir von den Suchergebnissen nur die Bilder anzeigen und klickte auf die Fotos, die mir gefielen. Von den etwa zwanzig ausgewählten Fotos waren alle, bis auf wenige Ausnahmen, von Leni Moretti. Ihr Stil, und vor allem die Wärme und Innigkeit, die ihre Fotos zeigen, begeisterten mich vom ersten Moment an.

Wenige Wochen später besuchte Leni uns zu Hause und machte die schönsten Aufnahmen von unserer Familie. Und das in einer so entspannten Art und Weise, wie ich es mir vorher hatte schwer vorstellen können. Denn so begeistert ich selbst fotografiere, vor der Kamera mochte ich nie gern sein. Und sie hat es mit ihrer natürlichen und freundlichen Art sofort geschafft, uns unsere Befangenheit zu nehmen.

Lenis Besuch motivierte mich unheimlich in meiner eigenen Fotografie. Ich folgte ihrem Blog und las ihre Geschichte. Darüber, wie sie den Mut fand, ihren Job aufzugeben und ihrer Leidenschaft zu folgen. Ich bewundere sie dafür. Aber ich konnte mir (noch) nicht vorstellen, ähnliches zu tun. Wofür hatte ich denn all die Jahre geackert? Wozu hatte ich mehrere Jahre an einem Beweis gesessen und gejubelt, als ich ihn endlich hatte? Wozu hatte ich promoviert in einem Fach, was gänzlich wenig mit Fotografie zu tun hat? Sollte ich wirklich einer Leidenschaft nachgehen, von der überhaupt nicht klar ist, dass sie zum Erfolg führt? Diese Fragen konnte ich lange Zeit nicht sinnvoll beantworten. Auch wenn ich schon immer Menschen bewundert habe, die den Mut hatten, einem Traum nachzugehen und dafür den sicheren Weg zu verlassen.

Monate später, ziemlich spontan, schrieb ich Leni eine lange, lange Mail, in der ich ihr von meinen Gedanken erzählte. Und ich fragte sie, ob wir uns unterhalten könnten. Ich wollte mehr darüber erfahren, wie sie ihr kleines, so erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat. Prompt kam eine sehr liebe und aufgeschlossene Antwort. Nach einem zweiten Familienshooting bei uns zu Hause erzählte Sie mir ausführlich ihre Geschichte und beantwortete meine lange Liste von Fragen. Ich bin ihr noch heute so dankbar dafür. Und ich möchte behaupten, dass es ohne Leni Moretti julili PHOTOGRAPHY heute auch nicht geben würde.

Das war vor etwas  mehr als einem Jahr. Nun habe ich den Schritt selbst gewagt und bin gespannt, wo mich der Weg hinführt. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass es ein unglaublich schönes Gefühl ist, am Morgen aufzustehen und zu wissen, dass man etwas tun wird, das einen erfüllt.

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